Geschichte der Insel Poel

Die Insel Poel hat eine bewegte Geschichte. In den letzten 400 Jahren wechselte die Insel mehrfach den Besitzer und war als Festungsinsel ein wichtiger strategischer Stützpunkt. Heute ist Poel eine Urlaubsinsel wie aus dem Buche, die nicht zuletzt auch durch ihre Geschichte fasziniert.

Der Name Poel stammt vermutlich von einem Beinamen des südgermanischen Gottes Balder, der die Insel mit einem unvergesslichen Licht bedacht haben soll. Wer einmal die Farbvielfalt zwischen blauer Ostsee, grünen Wiesen und gelben Rapsfeldern erlebt hat, kann sich vorstellen, wie es zu dieser Sage kam.

Urkundlich wurde Poel erstmals 1163 erwähnt. Sie war Bestandteil einer Schenkung, die zwischen Lübeck und dem Herzogtum Mecklenburg geteilt wurde. So kam Poel in den Besitz des Herzogs von Mecklenburg, der um 1210 die Besiedlung der Insel vorantrieb. Wichtigster Eckpunkt der frühen Geschichte Poels ist im Jahre 1250 die Errichtung der noch heute existierenden Poeler Kirche, um die herum der Hauptort Kirchdorf entstand. Allerdings gibt es Funde, die darauf hinweisen, dass bereits einige Jahrhunderte zuvor Slaven auf der Insel gesiedelt und in der Steinzeit und Bronzezeit Menschen hier gelebt hatten.

Wegen der strategischen Lage als Vorposten in der Mecklenburgischen Bucht wurde 1614 von Johann Albrecht II von Mecklenburg eine Festungsanlage mit Schloss errichtet, die in den nächsten Jahrzehnten eine durchaus beachtliche Bedeutung errang. Es folgte der Dreißigjährige Krieg und eine Zeit ständiger Angriffe. Mal war es der dänische König Christian IV, mehrfach die kaiserlichen Reichstruppen Wallensteins, mal ging die Festung an Schweden. Verwüstet, erobert, zerstört, aufgebaut und nach der erneuten Eroberung durch Reichstruppen im Jahre 1638 und dem Einfall der Brandenburger von 1675 langsam verfallend: Nach nicht einmal 100 Jahren verkam die Festungsanlage mit dem Schloss zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu einem Steinbruch.

Politisch gab es mit dem Westfälischen Frieden eine einschneidende Änderung. Die Insel wurde Schweden zugesprochen. Das änderte sich erst 1803, als Herzog Friedrich Franz I die Insel für ein Pfand von 1.250 Millionen Reichstaler für 100 Jahre in den Besitz Mecklenburgs brachte. Das blieb so, denn Schweden verzichtete 1903 auf die Insel. Noch heute wird dies als Schwedenfest auf der Insel gefeiert.

In der Zwischenzeit gab es immer wieder Übergriffe. So besetzten die Dänen im Winter 1711/1712 Poel und 1716 waren es Dänemark, Preußen und Hannover die hier einen Stützpunkt für die Belagerung von Wismar einrichteten. Zwischen 1756 und 1763 plünderten mehrfach die Preußen die Insel.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs besetzten zunächst kanadisch-britische Truppen und anschließend, am 3. Mai 1945, sowjetische Truppen Poel. Ein denkwürdiger Tag, denn damals wurde auch das Flüchtlingsschiff Cap Arcona versehentlich versenkt, mit dem 7.000 KZ-Insassen auf dem Weg in die Freiheit waren. 28 der Leichen wurden an den Stränden von Poel gefunden. Ein Denkmal erinnert an den Untergang des Schiffes.

Nach dem Krieg erlebte Poel 1946 mit 5.100 Einwohnern einen Höhepunkt in der Bevölkerungsentwicklung, der vorwiegend durch Ostflüchtlinge hervorgerufen wurde. Den Tiefststand verzeichnete die Gemeinde dagegen 1990 mit nur noch 2.590 Einwohnern. Inzwischen erholt sich durch den weiter wachsenden Tourismus die Einwohnerzahl wieder.

1927 wurden ein Damm zwischen dem Festland und Poel über die Breitling-Meerenge gebaut. Auf diese Weise kann seitdem die Insel auch mit Autos, Bussen und Fahrrädern erreicht werden. Durch diese Verbindung gewann Poel als Urlaubsziel weiter an Bedeutung.

Die sehr fruchtbare Insel ist seit langer Zeit für ihre Rapsblüten bekannt. Bereits seit 1897 gibt es hier einen privaten Saatzuchtbetrieb. Später lieferte das volkseigene Gut Poel rund 75 Prozent des Raps-Saatgutes in der DDR. Die Erben des Gründers kauften den Saatzuchtbetrieb 1992 wieder zurück.

Der Tourismus gewann in den letzten Jahren stark an Bedeutung. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Insel Poel seit 1997 anerkannter Erholungsort und seit 2005 staatlich anerkanntes Ostseebad ist.

Ein Kommentar

  1. Am 3. Mai 1945 wurden in der Lübecker Bucht die Cap Arcona und die Thielbeck
    von britischen Bombern versenkt. In den Laderäumen der Schiffe waren KZ-Insassen und Kriegsgefangene von den Nazis eingesperrt worden, nicht, damit sie in Freiheit gelangen können, sondern um sie zu vernichten und Spuren des faschistischen Terrors
    zu verbergen. Vor Beginn der Bombardierung hatte die SS die Schiffe verlassen.

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